NEUSTE VERÖFFENTLICHUNGen
NEUSTE VERÖFFENTLICHUNGen
»giza«
Etwa 80 km nordwestlich vom Mount Kenia liegt eine Region namens Laikipia. Hier existiert etwas Besonderes in der Natur: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in dem ca. 8600 km² großen Gebiet bereits mehrfach große schwarze Wildkatzen gesichtet. 2019 wurde der „Mythos des Schwarzen Panthers in Afrika“ offiziell bestätigt und mittels „Kamerafallen“ dokumentiert. Die rezessive Genmutation ist sehr selten. Nur wenn beide Elternteile das Gen in sich tragen, besteht die Chance auf Nachkommen, die ebenfalls schwarz sind. In Laikipia ist dieses Gen scheinbar nicht ausgestorben – hier gibt es schwarze Leoparden, jedenfalls ist es genau 1 Tier, welches seit ein paar Jahren immer wieder gesehen wird. Man hat ihm den Namen Giza gegeben, was auf Swahili „Dunkelheit“ oder „Schatten“ bedeutet.
Ich war fasziniert von der Vorstellung, einen Panther in der Wildnis zu sehen. Man sollte meinen, es wäre leicht, ihn zu finden, denn mit seinem Aussehen sollte er ja in der beigen, verdorrten Wildnis Kenias auffallen. Das Gegenteil ist der Fall. Tagsüber ist er unsichtbar, versteckt sich im Schatten der Bäume und Büsche und entflieht der Sonne. Erst in der Dämmerung kommen die Raubkatzen aus ihrer Deckung, um zu jagen. Jeden Morgen fuhren wir früh raus und suchten nach frischen Spuren, an jedem späten Nachmittag das Gleiche. Wir hatten sogar Glück und fanden Giza. Wir sahen sie, wie sie jagte und dann wieder verschwand – mein ersehntes Porträt schien unmöglich. Unsere Anspannung wuchs ebenso wie mein Wunsch nach dem perfekten Bild. Am letzten Abend vor unserer Abreise nach 9 Tagen im Feld wurde ich mit einem Rest an Tageslicht nach einem verregneten Nachmittag beschenkt. Giza kam aus dem Dickicht, zum ersten Mal nicht in Hast und auf der Jagd, sondern ganz ruhig. Sie lief lautlos über den noch etwas feuchten Boden und kam geradewegs auf mich zu. Ich lehnte mich aus dem Auto, bäuchlings, die Kamera auf dem Boden, und sie kam immer näher. Fokussierte mich mit einem Blick, der mir durch Mark und Bein ging. Mein Körper erstarrt. Mein Herz raste, als ich auf den Auslöser drückte. Was ich mit nach Hause nahm, war nicht nur ein ganz neues und wunderschönes Bild eines Panthers. Ich nehme eine große Liebe mit, eine Dankbarkeit und Demut – vor dieser einmaligen Begegnung und vor unserer wunderschönen Natur.
Edition of 10 . 166 x 126 cm
»now you see me«
Wenn ich mir vorstelle, dass ich diese zweite Bildidee vorher jemandem erzählt hätte, würde ich mir selbst sagen, dass ich nicht abheben, sondern real bleiben soll: Nachts einen schwarzen Leopard zu suchen, klingt wie die Erfindung der Nadel im Heuhaufen. Aber genau diese Idee hatte sich in meinem Kopf festgesetzt.
Dan und Karioke sind die besten Guides und Spotter in Laikipia. Jeden Abend fuhren wir in der frühen Dämmerung raus in die Wildnis und suchten das wunderschöne Tier. Sie hatten einen hellen Scheinwerfer mit einem Rotfilter versehen – so stört und blendet man die Tiere nicht zu stark und kann dennoch genug sehen. Für mich war es technisch eine ganz neue Herausforderung – hatte ich noch nie zuvor im Dunkeln fotografiert! Was schier unmöglich schien, sollte klappen. Tatsächlich fanden wir Giza bei Nacht. Der Scheinwerfer markierte zwei blitzende Augen, die aussahen, wie funkelnde Diamanten. Karioke hielt an – hunderte Male zuvor leuchtete er einfach weiter, weil er in Millisekunden erkannte, dass es Augen von einem Impala, einem Zebra, einem Hasen oder Dikdiks waren. Dieses Mal nicht. Dan stoppte den Landcruiser. Nichts passierte. Unsere Anspannung war auf dem Höhepunkt. 30 Sekunden vergingen, ohne, dass wir etwas sahen oder hörten. War es doch ein anderes Tier? Oder war er längst weg?
Dann sahen wir ihn. Der lautlose Jäger der Nacht kam langsam und ohne jedes Geräusch durch das Gras geradewegs auf uns zu. Ich lag bäuchlings hinausgehängt aus dem Auto, die Kamera auf dem Boden. Was für eine Begegnung: Ein schwarzer Panther im Dunkel der Nacht! Ich kann es nicht fassen. Er kommt geradewegs auf mich zu, immer näher: Mein Herz bleibt beinahe stehen vor Anspannung und Glücksgefühl, als er mich anfaucht und mir dabei direkt in die Kamera schaut, als wolle er sagen: Now you see me – but I am watching you already long time ago! Eine unglaubliche und sicher einmalige Situation in der Wildnis!