NEUSTE VERÖFFENTLICHUNG
NEUSTE VERÖFFENTLICHUNG
»coming home«
Kein zweiter Ort auf dieser Welt hat mich bisher so sehr gefesselt, dass ich fast jedes Jahr mindestens einmal zurückkehre. Das Ökosystem Amboseli liegt im Süden Kenias an der tansanischen Grenze und ist ein etwa 8.000 km2 großes, überwiegend trockenes Savannengebiet, das vom Schmelzwasser des Kilimandscharo gespeist wird. Seit tausenden Jahren leben hier große Elefantenherden, weil sie sich an einem Mosaik aus Sümpfen und dadurch immer grünen Weidegebieten erfreuen.
Die große Regenzeit in Kenia beginnt normalerweise im April und kann bis Ende Juni dauern. Unser Plan war es, Ende Februar, Anfang März verdorrte Savannen vorzufinden und damit große Elefantenherden anzutreffen, die durch den ausgetrockneten Lake Amboseli außerhalb des Nationalparks ziehen.
In diesem Jahr sollte es anders sein und es schien, als würde uns das Wetter dieses Mal nicht gerade in die Karten spielen. Regen ist zwar per se kein Grund, die Kamera einzupacken, wenn man Wildtiere fotografiert – das Lakebed stand allerdings komplett unter Wasser, sodass die Elefanten es mieden. Mother Nature begeisterte uns aber mit dramatischen Wolkenkulissen, die zwischen den teilweise lang anhaltenden Regengüssen entstanden, und – wenn sie sich einmal verzogen – konnte man kurzzeitig die Gipfel des mächtigen Kilimandscharo mit besonders viel Schnee sehen, was eine atemberaubende Kulisse bietet.
NGOs wie der Sheldrick Wildlife Trust, Tsavo Trust oder der Amboseli Trust For Elephants studieren und katalogisieren die Verhaltensweisen der sanftmütigen Riesen seit mehreren Jahrzehnten. Unter anderem Familienzugehörigkeiten sowie das Paarungs- und Wanderverhalten stehen dabei auf ihrer täglichen Agenda.
Elefanten haben das ausgeprägteste und stabilste soziale Netzwerk aller Landsäugetiere. Die Familie bleibt immer zusammen. Sie wird geführt von der Matriarchin, dem ältesten und erfahrensten Weibchen. Schwestern, Cousinen, Tanten und alle verwandten Jungtiere folgen ihr mit einer Ausnahme: Bullen verlassen die Herde im Alter von etwa 15 Jahren und ziehen allein weiter. Ein Tag besteht größtenteils aus Fressen, bis zu 16 Stunden. Hierbei legt die Familie oft weite Strecken zurück, bis zu 40 Kilometer täglich.
Elefantenfamilien streifen durch die offenen Savannen. Physische Grenzen wie Zäune, Gräben oder Mauern gibt es in Ostafrika nicht. So kommt es vor, dass Herden teilweise viele Wochen, Monate und sogar Jahre länderübergreifend umherziehen. Gemeinsam erleben sie Trocken- und Regenzeiten, Paarungen mit Bullen, denen sie begegnen, Schwangerschaften und Geburten. Auch wenn es Jahre dauern sollte, führt die Matriarchin ihre Familie immer wieder an den Ort zurück, wo sie ihre Wurzeln hat – nach Hause.
Im Februar 2018 hatte ich meine allererste „Begegnung“ mit diesem magischen Ort, Amboseli. Jedes Mal, wenn ich hierher zurückkomme, fühlt es sich auch für mich ein kleines bisschen an, wie Nach-Hause-Kommen.